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  • AutorenbildNiclas Löwendorf

Zwischen Topspiel und Trainerentlassung

Es gibt Wochenenden in unserem Job, die vergisst man nie. Mitte März hatte ich wieder so eins. Nur acht Stunden und eine Mütze voll Schlaf lagen zwischen meinen beiden Live-Auftritten in Hannover und Wolfsburg. 1,2 Millionen Zuschauer sahen mir in der Spitze bei der Arbeit zu. Dass das Wochenende aber so verläuft, war vorher aber nicht unbedingt absehbar.


Aber der Reihe nach: Flutlicht, Topspiel, dazu unsere SPORT1-Liveproduktion. Am 26. Spieltag hatte ich wieder einmal die Ehre, als Fieldreporter zu arbeiten. Mein dritter Einsatz in dieser Position, unglaublich aufregend! Erste Erfahrungen durfte ich bereits in der Vorsaison sammeln, als ich Fieldreporter bei der Partie Braunschweig-Rostock war. Ein zweiter Einsatz kam in der Hinrunde dazu. Auch beim Topspiel St. Pauli-Nürnberg war ich verantwortlich für die Fragen vor- und nach der Partie. Natürlich hat man über Jahre Erfahrungen sammeln können, wie es ist, Interviews nach dem Spiel zu führen. Unzählige Male waren wir bereits in der Mixed Zone präsent, jedoch ist man dort nie in einer Live-Situation.


Nun also: Einsatz Nummer drei. Hannover 96 gegen den 1. FC Kaiserslautern. Zwei Traditionsvereine mit ganz unterschiedlichen Saisonverläufen. Die Niedersachsen blicken noch mit einem Auge auf den Relegationsplatz, der sie für die Aufstiegsspiele um Liga 1 qualifiziert. Die Pfälzer hingegen kämpfen gegen den Abstieg und hatten frisch den Trainer gewechselt. Friedhelm Funkel, ein Bundesliga-Urgestein und ausgerechnet mein erstes Interview am Abend des 16. März. Vor Anpfiff sprachen wir unter anderem über seinen Toptorjäger Ragnar Ache, Lauterns Lebensversicherung, und wie man das anstehende Pokalhalbfinale aus den Köpfen bekommt. Etwas mehr als 2 Minuten waren angesetzt für das Gespräch. Mit einem Kopfhörer im Ohr war ich immer wieder mit dem Leiter der Sendung verbunden, der mir die noch verbleibende Länge des Gesprächs angesagt hat. Jegliche Aufregung, die über den Tag immer mal wieder aufblitzt, vergeht spätestens in dem Moment, wenn das rote Licht leuchtet!


Die Pyroshow der Fans und der ertönende Anpfiff vom Schiedsrichter war gleichzeitig für mich das Signal, meinen Arbeitsplatz aufzusuchen. Die Interviews vor dem Spiel waren absolviert, ab sofort galt der volle Fokus dem Geschehen. Als Fieldreporter verfolgt man von seinem Arbeitsplatz die Partie an einem Ort, von dem jeder andere Stadionzuschauer wahrscheinlich träumt. Direkt am Spielfeldrand, quasi an der Grasnarbe. Drei Monitore auf dem Tisch, unsere Kommentatoren durch Kopfhörer auf dem Ohr. Beste Bedingungen, um keine Szene zu verpassen.


Hannover 96 - 1. FC Kaiserslautern
Arbeitsplatz eines Fieldreporters


Nach Abpfiff ging es in die Vollen: Interviews! Diesmal mit den Akteuren auf dem Platz. Weltmeister Ron-Robert Zieler, Torschütze Andreas Voglsammer und Nachspielzeit-Lattenschütze Tobias Raschl, der das Spiel hätte entscheiden können. Denn das 1:1 war am Ende für beide Clubs zu wenig.


Gegen 23:30 Uhr war der Job erledigt. Eine kurze Abschlussbesprechung mit dem gesamten Team und dann schnell auf die Autobahn Richtung Hamburg. Denn bereits vor dem Anpfiff in Hannover kam ein Anruf rein, der meine Planung für den kommenden Sonntag über den Haufen geworfen hat.


Denn in unserer Außenredaktion für SPORT1 kümmern wir uns auch um den VfL Wolfsburg – und dieser hatte am Nachmittag wieder einmal verloren. 1:3 gegen den FC Augsburg, gleichbedeutend damit, dass die Trainerdiskussionen um Niko Kovac wieder im vollen Gange waren.


Und sobald mögliche Trainerentlassungen im Raum stehen, die auch noch am Sonntag vollzogen werden können, ist es unsere Pflicht, für den SPORT1-Doppelpass vor Ort zu sein. Nachdem die Partie in Wolfsburg beendet war, hatte ich bereits ein paar Telefonate getätigt. Der Tenor, bei allen gleich: Es wird die letzte Partie von Niko Kovac gewesen sein.


Also stand schon vor meiner ersten Frage in Hannover fest: es wird ein unvergessliches Wochenende.


Mit der Abfahrt um 23:45 Uhr aus Niedersachsens Landeshauptstadt steuerte ich sofort unser Büro in Hamburg-Eppendorf an. Die Autofahrt genutzt, um mich nochmal mit dem Leiter der Doppelpass-Sendung abzustimmen.

Mit der Ankunft in der Nacht bei RUN Forward Media holte ich schnell Stativ, Kamera, Mikofon und Licht raus. Alles, was man für eine Liveschalte als Reporter und Videojournalist braucht. Denn mein nächstes Ziel lautete: noch etwas Schlaf bekommen, bevor der Wecker um 6 Uhr klingelt, um aufzubrechen.


Der Sonntag hat mit der gleichen Intensität begonnen, wie der Samstag endete. Auf dem Weg nach Wolfsburg war das Handy wieder mein bester Freund. Telefonate führen mit Kollegen, Gespräche mit Verantwortlichen vom VfL Wolfsburg, um weitere, nähere Infos zu bekommen. Bereits vor meiner Ankunft in Wolfsburg um 9 Uhr sickerte durch: Kovac ist bereits freigestellt. So stand also schon vor Doppelpass-Sendungsbeginn fest: der VfL Wolfsburg sucht einen neuen Trainer.


Aufgrund der Aktualität wurde direkt um Punkt 11 Uhr, also zum Start der Sendung, von Florian König nach Wolfsburg geschaltet. Warum musste Kovac gehen? Wer könnte sein Nachfolger werden? Warum hat es nicht funktioniert? - Das waren die Fragen, die natürlich alle brennend interessierten. Und die ich mit meinem Vorwissen natürlich gut beantworten konnte.


Alltag eines Sportreporters
LIVE-Schalte in den SPORT1-Doppelpass


Nach der Liveschalte ging es direkt Schlag auf Schlag weiter. Bereits am Morgen hatte ich mit dem VfL Wolfsburg vereinbart, ein abgesetztes Interview mit Geschäftsführer Marcel Schäfer führen zu können. Um 11:10 Uhr betrat ich den Raum, in dem Schäfer schon wartete. Es folgte ein 4-Minütiges Interview, bei dem ich auch den potentiellen Nachfolger-Namen Ralph Hasenhüttl abklopfte. Auch wenn es sich andeutete: zu dem Zeitpunkt hatte der Österreicher noch nicht unterschrieben, also musste Schäfer ausweichen. Schnell konfektioniert und dann sofort die Datei nach München überspielt, wo es wenige Minuten später 1:1 im nationalen Fernsehen lief.


Als etwas Ruhe reinkam, nutzte ich die Gelegenheit mit dem Ablaufredakteur der Livesendung Kontakt aufzunehmen. Mittlerweile hatte sich der Name Hasenhüttl verfestigt, auch wenn es noch nicht offiziell war. Dennoch einigten wir uns darauf, mich noch ein zweites Mal live aus Wolfsburg zu schalten, um konkreter auf den neuen Übungsleiter einzugehen.


Punkt 13:15 Uhr war dann auch Schalte Nummer zwei passé. Und durch die Infos, dass Hasenhüttl frühestens erst am Montag anreist, war für mich klar: Ich bin um ein aufregendes Wochenende reicher! Zwei weitere male on air im live-TV; Erfahrungen, die man nie vergisst.  

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